Podiumsdiskussion 13.06.2019: Vier Frauen gewährten Einblick in ihre politische Arbeit

Hauptinput muss von einem selber kommen

An der Podiumsdiskussion der Gleichstellungskommission des Kantons Schwyz vom Donnerstagabend im Kultur- und Kongresszentrum “Zwei Raben” in Einsiedeln berichteten vier Frauen aus vier Parteien über ihre politische Arbeit.

Ein halbes Dutzend Männer und rund drei Dutzend Frauen wurden von Christina Baumann-Fässler, CVP, Bezirksrätin und Nationalratskandidatin aus Unteriberg, Simone Betschart, SVP, Gemeinderätin aus Morschach, Marlene Müller, FDP, Parteipräsidentin Kanton Schwyz, Kantonsrätin und Nationalratskandidatin aus Wollerau sowie Karin Schwiter, SP, alt-Kantonsratspräsidentin und Nationalratskandidatin aus Lachen über ihre politische Arbeit informiert.

Begrüsst wurden die Gäste von Doris Beeler, Präsidentin der Gleichstellungskommission des Kantons Schwyz aus Einsiedeln. Die Podiumsdiskussion wurde von Claudia Hiestand als freie Journalistin moderiert.

Organisatorin des öffentlichen und überparteilichen Anlasses war die Gleichstellungskommission des Kantons Schwyz. Sie wurde unterstützt vom Verein frauennetz kanton schwyz.

Doris Beeler präsentierte in ihrer Einleitung die aktuellen Zahlen.

Fünf Männer und eine Frau vertreten den Kanton Schwyz im nationalen Parlament. Die Schwyzer Regierung setzt sich aus sechs Männern und einer Frau zusammen. Im Kantonsrat politisieren aktuell neun Frauen und 91 Männer. Von den 246 Gemeinderats- und Bezirksratsmitgliedern sind 42 Frauen. Zwei Frauen bekleiden das Amt einer Gemeindepräsidentin. “Von den 105 000 Stimmberechtigten im Kanton Schwyz sind 52 000 Männer und 52 000 Frauen”, betonte Beeler und wies damit darauf hin, dass die Frauen bei den Wahlen zahlenmässig gleich viel Gewicht besitzen wie die Männer.

Unter der Leitung von Claudia Hiestand, freie Journalistin (Mitte) diskutierten Karin Schwiter (links, SP, alt-Kantonsratspräsidentin, Nationalratskandidatin, Lachen), Simone Betschart (SVP, Gemeinderätin, Morschach), Christina Baumann-Fässler (CVP, Bezirksrätin Schwyz, Nationalratskandidatin, Unteriberg) und Marlene Müller (FDP, Parteipräsidentin Kanton Schwyz, Kantonsrätin, Nationalratskandidatin, Wollerau) über Frauenförderung in der Politik.

Scheitern an sich selbst

Beeler redete auch gleich zu Beginn Klartext. “Frauen scheitern manchmal auch an sich selber, weil sie von sich zu viel verlangen”, führte sie aus.

Als Einleitung wurde der Videofilm “Halbe-Halbe” der eidgenössischen Kommission für Frauenfragen gezeigt.

Auf verschiedenen Plakaten wurden die Frauen ermutigt, sich in der Politik aktiv zu engagieren. “Du hast doch so viel Drive, wieso machst du nicht Politik?”, war da beispielsweise zu lesen.

Simone Betschart wurde schon am Familientisch in die Politik eingeweiht und zeigte sich überzeugt, dass Vieles von zu Hause aus komme. Karin Schwiter erzählte, dass sie zu Hause mit dem Vater über Politisches gestritten habe. Marlene Müller vertrat die Ansicht, dass es ein gewisses Selbstbewusstsein und Überzeugung brauche, um in der Politik Fuss zu fassen. Karin Schwiter vertrat die Auffassung, dass es in den Köpfen vieler Menschen noch immer geschlechtstypische Muster habe.

„Frauen wählen nicht unbedingt Frauen“

Christina Baumann-Fässler wies auf einen wunden Punkt hin. “Frauen wählen nicht unbedingt Frauen. Da haben wir ein Problem. Die Frauen hätten es in der Hand. Wir müssen unsere Trümpfe ausspielen”, redete auch sie nicht um den Brei herum. Weiter zeigte sie sich überzeugt davon, dass der Hauptinput von einem selber kommen müsse. Vieles könne man auch nicht oder nur bedingt beeinflussen. Oft gelte halt bei Wahlen “zur richtigen Zeit am richtigen Ort”. “Nicht immer wird die Beste gewählt”, führte sie aus.

Für Simone Betschart ist das Bewältigen von beruflicher und familiärer Tätigkeit und aktivem Engagement in der Politik auch eine Frage der Organisation. Marlene Müller vertrat die Ansicht, dass ein unterstützendes Umfeld schon eine Erleichterung sei. Für die Behebung des Fachkräftemangels seien Tagesstrukturen nötig. Netzwerkaufbau sei keine kurzfristige Angelegenheit. Für sie selber sei Politik der Ausgleich zur Arbeit. In der Politik sei sie zu sozialen Beziehungen gekommen. Karin Schwiter sieht in der Unterdotierung der Frauen in der Politik auch gewisse strukturelle Gründe. “In dieser Beziehung ist der Kanton Schwyz in gewissen Bereichen noch Entwicklungsland”, wurde sie deutlich. Sie habe in dieser Welt etwas verändern wollen und habe dann dank dem politischen Engagement viele tolle Leute kennengelernt.

Simone Betschart nannte eine konkrete Massnahme, die den Frauen die Situation erleichtern würde. Sie forderte Pensionskassenbeiträge ab dem ersten Franken Verdienst.

Zum Abschluss eines gelungenen Abends über alle Parteigrenzen hinweg wurde in einem Musikvideo von Yael Deckelbaum aufgezeigt, wie Frauen über alle religiösen und kulturellen Grenzen hinweg mit einem Marsch und Gebet sich für den Frieden in Israel eingesetzt haben. “Gehen Sie wählen, lassen Sie sich aufstellen.” Mit diesem Apell leitete Doris Beeler zu einem Apéro über, an dem während rund eineinhalb Stunden engagiert und eifrig weiter diskutiert wurde.

Bericht von Konrad Schuler

Gleichstellungskommission Kanton Schwyz

 

Simone Betschart (SVP, Gemeinderätin, Morschach), Christina Baumann-Fässler (CVP, Bezirksrätin Schwyz, Nationalratskandidatin, Unteriberg), Karin Schwiter (SP, alt-Kantonsratspräsidentin, Nationalratskandidatin, Lachen) und Marlene Müller (FDP, Parteipräsidentin Kanton Schwyz, Kantonsrätin, Nationalratskandidatin, Wollerau) gaben den über 40 Personen einen Einblick in ihre politische Arbeit.

Entscheide nach Gleichstellungsgesetz / Medienmitteilung

Die eigenen Rechte kennen: neuer Ratgeber zum Gleichstellungsgesetz

Das Bundesgesetz über die Gleichstellung von Frau und Mann ist bei Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden noch immer nicht genügend bekannt. Aber auch Gerichte wenden das Gleichstellungsgesetz oft nicht oder falsch an. Genau hier setzen die Website www.gleichstellungsgesetz.ch und ein neuer Ratgeber durch umfassende Informationen an und unterstützen alle Beteiligten auf dem Weg zur tatsächlichen Gleichstellung.

Das Gleichstellungsgesetz (GlG) vom 1. Juli 1996 verbietet Diskriminierung aufgrund des Geschlechts im Erwerbsleben: Von der Anstellung über den Lohn, die Weiterbildung, Beförderung, Aufgabenzuteilung, die Ausgestaltung der Arbeitsbedingungen und die Kündigung bis zur sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz. Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist es essentiell, die eigenen Rechte zu kennen, um sie selbstbewusst einfordern zu können.

Konstanter Anstieg dokumentierter Diskriminierungsfälle

Seit 1998 werden alle deutschsprachigen Entscheide zu Diskriminierungen im Erwerbsleben in der Datenbank www.gleichstellungsgesetz.ch aufgeschaltet. Interessierte finden auf der Webseite zusätzlich zu den Entscheiden und relevanten Gesetzestexten auch eine Wegleitung durch die kantonalen Gerichtsinstanzen.

Im Jahr 2018 wurden 48 neue Fälle aufgeschaltet. Per Ende Dezember 2018 waren damit total 814 Fälle in der Datenbank dokumentiert. Die neu dokumentierten Fälle zeigen, dass es nach wie vor besonders in den Bereichen Lohngleichheit, diskriminierende Kündigung und sexuelle und sexistische Belästigung zu Ungleichbehandlungen kommt.

Neben Lohndiskriminierung und sexueller und sexistischer Belästigung am Arbeitsplatz ist weiterhin ein Anstieg von Fällen, in denen es um Diskriminierungen aufgrund von Schwangerschaft und Mutterschaft geht, festzustellen. Wie virulent das Thema ist, illustriert der Fall einer Service Managerin (Fall Nr. 346) aus dem Jahr 2017 auf www.gleichstellungsgesetz.ch. Mit der neuen Stichwortsuche kann auf www.gleichstellungsgesetz.ch neu auch nach Fällen im Zusammenhang mit sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität gesucht werden, so zum Beispiel Fall Nr. 344, wo ein*e Lagerist*in aufgrund ihrer Transidentität Anzüglichkeiten und verbalen sexistischen Entgleisungen am Arbeitsplatz ausgesetzt war. Damit werden auch solche Diskriminierungen im Erwerbsleben sichtbarer gemacht.

In beiden Fällen kam es zu einer durch die kantonale Schlichtungsbehörde nach Gleichstellungsgesetz erzielten Einigung, bei welcher die Arbeitgeberinnen sich zur Zahlung einer Entschädigung verpflichteten.

Bewährter Ratgeber neu für alle Kantone

Der konstante Anstieg der auf www.gleichstellungsgesetz.ch dokumentierten Fälle zeigt aber auch, dass das Gleichstellungsgesetz immer noch nicht genügend bekannt ist – weder bei Arbeitnehmenden noch bei Arbeitgebenden, aber auch nicht bei den Gerichten. Letzteres verdeutlicht die Analyse der kantonalen Rechtsprechung nach Gleichstellungsgesetz, welche 2017 im Auftrag des
Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann erstellt wurde: In zahlreichen Fällen haben Gerichte das Gleichstellungsgesetz nicht oder falsch zur Begründung eines Urteils herangezogen.

Neu gibt es auf der Datenbank www.gleichstellungsgesetz.ch einen deutschsprachigen “kantonsunabhängigen” Ratgeber. Dieser gibt Auskunft über allgemeingültige Informationen zum Gleichstellungsgesetz und verweist für kantonale Besonderheiten auf die Verfahrensabläufe der jeweiligen Kantone auf der Website www.gleichstellungsgesetz.ch. Der Ratgeber erläutert alle Anwendungsbereiche des Gesetzes anhand von Beispielen und gibt Tipps zum konkreten Vorgehen, falls Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts vermuten. Wie die beiden oben erwähnten Beispiele zeigen, spielen dabei auch die kantonalen Schlichtungsbehörden nach Gleichstellungsgesetz eine bedeutende Rolle.

Informationen für alle Landesteile

www.gleichstellungsgesetz.ch und der “kantonsunabhängige” deutschsprachige Ratgeber zum Gleichstellungsgesetz sind ein Kooperationsprojekt aller Deutschschweizer Fachstellen für Gleichstellung. Kantonsspezifische deutschsprachige Ratgaber liegen für die Kantone Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Bern, Freiburg, Luzern, Wallis und Zürich vor.

Die Rechtsprechung zu Fällen aus der französischsprachigen Schweiz ist auf www.leg.ch
publiziert. Kantonsspezifische französischsprachige Ratgeber gibt es in den Kantonen Waadt, Bern, Freiburg, Genf, Jura und Wallis.

Fälle aus der italienischsprachigen Schweiz finden sich auf www.sentenzeparita.ch.

Für Auskünfte und weitere Informationen:

  • Binh Tschan (Deutsch), Juristin der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich,
    Tel. 044 412 48 63
  • Colette Fry (français), Directrice du Bureau de la promotion de l’égalité entre femmes et hommes et de prévention des violences domestiques du canton de Genève,
    Tel. 022 388 74 50
  • Rachele Santoro (italiano), Delegata per le pari opportunità,
    Tel. 091 814 45 00

Pressemitteilung der Gleichstellungskommission des Kantons Schwyz

Die Gleichstellungskommission des Kantons Schwyz (GKSZ) kommentiert die unzutreffenden Äusserungen eines ehemaligen Mitglieds der GKSZ nicht. Sie entsprechen lediglich dessen persönlicher Ansicht und spiegeln in keiner Art und Weise die Haltung der GKSZ wieder.

Die GKSZ ist eine kantonale Kommission, welche vom Regierungsrat des Kantons Schwyz gewählt wird. Die GKSZ informiert die Öffentlichkeit über gleichstellungsrelevante Themen, z.B. mit Publikationen, Veranstaltungen oder auf unserer Website. Sie unterstützt mit ihrem Wissen Personen und Organisationen aus der Bevölkerung, Privatwirtschaft, Politik sowie Bildung und Wissenschaft. Des Weiteren berät sie Behörden und Amtsstellen in Fragen der Gleichstellung, verfasst Stellungnahmen zu gleichstellungsrelevanten Themen und arbeitet in Arbeits- und Projektgruppen mit. Die GKSZ unterstützt den Regierungsrat darin, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern, sie entwickelt Konzepte und Massnahmen für die Verwirklichung der Gleichstellung von Frau und Mann im Kanton Schwyz und realisiert Projekte zu jährlichen Schwerpunktthemen. Sodann vertritt sie den Kanton Schwyz im gesamtschweizerischen Netzwerk der Gleichstellungsbeauftragten.

Ihre Aufgaben erfüllt die Kommission entsprechend ihrem gesetzlichen Auftrag und mit viel En-gagement und Interesse. Weitere Informationen sind unter www.gksz.ch einsehbar.

Die Gleichstellungskommission Kanton Schwyz

17.Februar 2019

Videospot «halbe-halbe» zum Tag der Frau

Am Internationalen Tag der Frau lanciert die Eidgenössische Kommission für Frauenfragen EKF den Videospot «halbe-halbe». Sie will damit mehr Frauen für politische Ämter motivieren – und die Parteien auffordern, die dafür notwendigen Voraussetzungen zu schaffen.

Schwyz muss endlich die Lohncharta unterzeichnen

Medienmitteilung der Gleichstellungskommission SZ vom 23. Februar 2018

Morgen Samstag, 24. Februar, findet der Equal Pay Day 2018 statt. Dieser Tag steht sinnbildlich dafür, wie viel länger Frauen im Durchschnitt arbeiten müssen, um auf den gleichen Lohn zu kommen wie Männer. Um die 15.1% Differenz aufzuholen, müssen Frauen also 55 Tage länger arbeiten.

Eine Möglichkeit, um etwas gegen die Lohnungleichheit zu tun, stellt die “Charta der Lohngleichheit im öffentlichen Sektor” dar. Sie verpflichtet die unterzeichnenden Kantone und Gemeinden, Sensibilisierungsarbeit zu leisten, ihre eigenen Löhne regelmässig zu überprüfen und die Lohngleichheit auch bei Aufträgen an Private von diesen einzufordern. “Es ist höchste Zeit, dass auch die Schwyzer Regierung die Charta unterzeichnet”, meint Doris Beeler, Präsidentin der Schwyzer Gleichstellungskommission, “sie darf die Lohnungleichheit nicht länger einfach hinnehmen.”

Eine weitere Massnahme, die getroffen werden muss, ist die momentan im nationalen Parlament diskutierte Änderung des Gleichstellungsgesetzes, mit der mittlere und grosse Unternehmen verpflichtet würden, alle vier Jahre eine Lohngleichheitsanalyse durchzuführen. “Um Lohngleichheit zu erreichen, braucht es volle Transparenz”, so Beeler dazu.

Kontakt:
Doris Beeler, Präsidentin GKSZ, 076 539 23 43, dorisbeeler(Replace this parenthesis with the @ sign)bluewin.ch.
Elias Studer, Medienverantwortlicher GKSZ, 079 928 11 05, elias.studer(Replace this parenthesis with the @ sign)bluewin.ch.

Mehr Infos:
Zum Equal Pay Day: www.equalpayday.ch
Zur Lohncharta: https://www.ebg.admin.ch/ebg/de/home/themen/arbeit/plattform-lohngleichheit/engagement-des-oeffentlichen-sektors/charta-der-lohngleichheit-im-oeffentlichen-sektor.html
Zur parlamentarischen Beratung betreffend Lohngleichheitsanalysen: https://www.bj.admin.ch/bj/de/home/aktuell/news/2017/ref_2017-07-050.html